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2018.12.10

Patentübersetzungen

Wie ich die NIPTA-Prüfung für Patentübersetzer bestanden habe – Teil 3


Im Oktober 2017 fand in Japan die Übersetzungsprüfung der NIPTA (Nippon Intellectual Property Translation Association) für Übersetzer von Patenttexten (weitere Informationen hier) statt. Fünf unserer Übersetzer haben die Prüfung bestanden. Vier von ihnen bestanden die Englischprüfung und einer die Deutschprüfung.

Im Oktober haben wir Ihnen den Bericht von Frau Chieko Matsumoto über ihre Erfahrungen mit der Prüfung vorgestellt. Heute präsentieren wir die Erfahrungen von Frau Nodoka Yagura, die die schwierigste Stufe der Prüfung für Übersetzer aus dem Englischen ins Japanische im Fachbereich Chemie bestanden hat. Ihr Weg zum erfolgreichen Absolvieren der Prüfung war nicht einfach, aber durch hartes Training konnte sie ihre Übersetzungskenntnisse erheblich verbessern. Hoffentlich kann dieser Artikel angehenden Patentübersetzern als Inspiration dienen.


1. Meine bisherige Karriere      

Ich begann, mich für Patentübersetzungen zu interessieren, als ich in einem japanischen Übersetzungsjournal auf einen Artikel stieß, der über einen Kurs über Patentübersetzung informierte. Damals arbeitete ich für ein Analysebüro, bei dem ich meine Kenntnisse in Chemie anwenden konnte, aber der Job des Übersetzers erschien mir sehr reizvoll. Ich würde so auch meine Englischkenntnisse nutzen können und könnte vielleicht auch von zu Hause aus arbeiten. So besuchte ich den Kurs abends nach der Arbeit und wechselte später den Job, um zunächst Lektorin in einem Übersetzungsbüro zu werden.

Ich habe diese Arbeit etwa ein Jahr lang gemacht, währenddessen Grundlagen der Patentübersetzung gelernt und die Stufe 2 der JTF (Japanese Translation Federation) Übersetzungsprüfung bestanden. Danach habe ich bei einer Rechts- und Patentkanzlei angefangen und arbeitete dort für bis sich die Übersetzungsabteilung selbständig machte und zu transeuro wurde. Es gab Zeiten, in denen ich nicht so viele Fortschritte beim Übersetzen machte, wie ich es mir gewünscht hätte. Ab einem bestimmten Punkt konnte ich meine Übersetzungsfähigkeiten alerdings wesentlich verbessern.

2. Schritt für Schritt: Die Verbesserung meiner Übersetzungen vom Englischen ins Japanische

2.1 Beginn meines Trainings

Ursprünglich war es das Feedback eines Patentanwalts aus der Kanzlei, für die ich gearbeitet hatte, das mich dazu brachte, mehr an meinen Übersetzungsfähigkeiten zu arbeiten. Der Anwalt kritisierte, dass meine Übersetzungen von Patentschriften zu direkt waren und im Japanischen keinen Sinn ergeben würden. So etwas kann passieren, wenn das Englisch einer Patentbeschreibung unnatürlich ist, weil die Spezifikation ursprünglich in einer anderen Sprache war und der vorherige Übersetzer seine Arbeit nicht gut gemacht hat, oder wenn die eigene Übersetzung zu wörtlich ist. So bekam ich bei der Arbeit viele Hinweise, zum Beispiel zur Verwendung von Adverbien oder hinsichtlich korrekter Interpunktion. Ich wurde mir erneut bewusst, wie schwierig eine Übersetzung ins Japanische sein kann. Die gesamte Bedeutung eines Satzes kann sich nur durch ein Komma ändern. Mein damaliger Vorgesetzter in der Übersetzungsabteilung brachte mir im Laufe der Zeit bei, wie man Patentschriften in präzisem und gut verständlichen Japanisch verfasst.

2.2 Ratschläge auf dem Weg zum Patentübersetzer

Immer wenn ich mit einer Übersetzung fertig war, bat ich meinen Vorgesetzten, sie noch einmal zu überprüfen. Er wies auf Passagen hin, in denen meine Interpretation des Originaltexts nicht korrekt war oder in denen ich unangemessene Formulierungen verwendet hatte. Ich überprüfte seine Korrekturen, kontaktierte ihn per E-Mail, wenn ich unsicher war und stellte sicher, dass ich nicht die gleichen Fehler wiederholte. Er gab mir viele Ratschläge, aber der nützlichste Rat war, dass er mir sagte, ich solle „dem roten Faden der Geschichte folgen“.

3. ”Dem roten Faden der Geschichte folgen”

Indem ich nur die japanische Übersetzung las, die ich geschrieben hatte, bekam ich einen ganz neuen Blickwinkel. Wenn man eine Patentbeschreibung von Anfang bis Ende liest, und dabei dem „roten Faden“ folgt, wird man Stellen finden, die einen stutzen lassen, zum Beispiel, weil man die Bedeutung falsch verstanden hat, das Verhältnis zwischen zwei Begriffen vertauscht wurde oder die Interpunktion nicht korrekt ist. Am Anfang hatte ich bei meinen Übersetzungen noch viel zu überarbeiten.

Im Laufe meines Trainings durch meine Übersetzungsarbeit stellte ich fest, dass es sich bei Problemen mit einer Textstelle in der englischen Originalversion oft anbietet, die Übersetzung in erster Linie so zu wählen dass es im Japanischen problemlos verständlich wird. Genauer gesagt, habe ich begonnen, wenn nötig, Worte hinzuzufügen, die Wortstellung anzupassen und Begriffe je nach Kontext unterschiedlich zu übersetzen. Das Ergebnis war ein klarer japanischer Text, der leicht zu lesen war. Dabei habe ich mir die Grundzüge der Erfindung notiert und später den zugrunde liegenden technischen Hintergrund nachgeschlagen. Während dieses Prozesses bemerkte ich auch Schreibfehler und Widersprüche im Original. So konnte ich im Laufe der Zeit auch immer bessere Kommentare für unsere Kunden erstellen. Dieses Training war ein wichtiger Wendepunkt für mich: Ich hörte auf, Texte nur Wort für Wort zu übersetzen und begann, die Worte bedeutungsgemäß zu übersetzen.

4. Arbeiten von zu Hause aus

Während ich mich auf die Prüfung vorbereitete, führte meine Firma ein Home Office System ein. Ich war vom Pendelstress befreit, konnte in einer Umgebung übersetzen, in der ich mich entspannen kann und konnte meine Work-Life-Balance verbessern. Die neu gewonnenen Freizeit nute ich, um in einem nahegelegenen Park zu joggen. Der Sport wirkte sich nicht nur auf meine körperliche Fitness positiv aus, sondern auch meine Gedächtnisleistung und meine Stimmung verbesserten sich. Ich sah der bevorstehenden Prüfung motiviert und optimistisch entgegen.

5. Meine Erfahrungen mit der Prüfung

Bis auf die Patentansprüche in der ersten Prüfungsaufgabe waren die Prüfungsaufgaben aus meiner Sicht relativ einfach zu übersetzen. Ich konnte alle Aufgaben innerhalb von 2 Stunden übersetzen. Die verbleibende Stunde konnte ich auf die Recherche des technischen Hintergrundes der Patentansprüche verwenden. Da ich mich im Nachhinein mit meinen Übersetzungen in der Prüfung doch unsicher fühlte, war ich überrascht, als ich informiert wurde, dass ich bestanden hatte. Während des Gesprächs nach der Prüfung wurde mir gesagt, dass ich ein paar kleine Fehler gemacht hatte, aber abgesehen von den Ansprüchen waren meine Übersetzungen dennoch positiv bewertet worden. Ich war sehr zufrieden, da sich mein Training ausgezahlt hatte.

6. Überlegungen für die Zukunft

Seit meinem Arbeitsbeginn als Patentübersetzerin vor 10 Jahren ist die Situation der Patentübersetzungsbranche immer schwieriger geworden. Kunden wünschen sich längere und schnellere Übersetzungen bei besserer Qualität. In letzter Zeit möchten Kunden auch, dass wir die japanische Übersetzung so gestalten, dass sie leicht lesbar ist, selbst wenn der englische Originaltext es nicht ist. Eine solche Übersetzung erfordert viel Aufwand seitens der Übersetzer, aber sie ist etwas, was eine maschinelle Übersetzung derzeit nicht leisten kann. Um das zu bieten, was mit maschinellen Übersetzungen nicht möglich ist, um unsere zufriedenen Kunden zu halten und neue zu gewinnen, werde ich mich weiterhin intensiv als Übersetzerin weiterbilden.


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