Dritter Ausnahmezustand in Japan – Olympische Spiele trotz langsamer Impfkampagne

Kurz nachdem der im Januar ausgesprochene Ausnahmezustand aufgelöst wurde, führte nun ein rasanter Anstieg an Infektionen vor allem in der Kansai Region zu einem erneuten Ausnahmezustand, der zunächst für die Präfekturen Tokyo, Osaka, Kyoto und Hyogo galt.

Ausnahmezustand zunächst für die Golden Week geplant, danach verlängert

 

Zunächst war dieser vom 24. April bis zum 11. Mai geplant und sollte hauptsächlich die Golden Week abdecken, die in Japan eine beliebte Reisezeit ist, da mehrere Feiertage aufeinander fallen. Er wurde nun allerdings bis auf Ende Mai verlängert und auf weitere Präfekturen ausgeweitet. (https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/gesundheit-wissenschaft/ausnahmezustand-in-japan-wird-bis-ende-mai-verlaengert-und-corona-massnahmen-gelockert-293216/)

Die Regierung bittet Vergnügungsparks und Touristenziele zu schließen. Kaufhäuser sollen alle Geschäfte bis auf Lebensmittelgeschäft geschlossen lassen. Restaurants und Bars sollen keinen Alkohol ausschenken und um 20 Uhr schließen. Firmen wurden gebeten, wenn möglich Angestellte von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Seit dem 11. Mai wurden die Einschränkungen allerdings leicht gelockert.

Trotz der Verlängerung des Ausnahmezustands hält man in Japan weiter an der Idee fest, die Olympischen Spiele wie geplant durchzuführen.

 

Züge so voll wie immer

 

Am ersten Werktag im Ausnahmezustand sah man jedoch in Tokyo die üblichen Bilder von vielen Menschen, die mit den überfüllten Zügen zur Arbeit fuhren. Aktuell liegt die Homeoffice Quote in Japan bei 19,2 %Natürlich gibt es Berufe, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, allerdings gibt es auch genug Firmen, die den Bitten nicht nachkommen. Da ist es nur verständlich, dass der Ausnahmezustand auf Kritik stößt. Viele fragen sich wahrscheinlich, warum sie sich in der Freizeit einschränken sollten, wenn sie durch den Berufsverkehr und das Arbeiten in engen Großraumbüros sowieso dem Risiko einer Infektion ausgesetzt sind.

Alkoholverbot scheint wenig erfolgversprechend

Wenn Kneipen keinen Alkohol ausschenken dürfen, dann werden die Japaner wahrscheinlich einfach Alkohol im nächsten Convenience Store kaufen und sich in Parks oder anderen öffentlichen Plätzen treffen. Auf Social Media wurden bereits vor dem Ausnahmezustand Ideen gepostet, um das Verbot zu umgehen. Kneipen könnten es einfach erlauben, dass Alkohol mitgebracht werden darf und dafür eine Gebühr erheben, anstatt ihn selbst auszuschenken.

Halbherzige Maßnahmen auf Kosten der Gastronomie  

 

Es bleibt weiterhin unklar, warum man nur halbherzige Maßnahmen verhängt, die hauptsächlich von der Gastronomie getragen werden. Warum wird bei der Bitte nach Homeoffice nicht härter durchgegriffen?

Dazu kommt, dass die Impfungen in Japan nur sehr schleppend vorangehen. Viele Städte in Japan haben noch nicht einmal einen Zeitplan für die Impfungen für Menschen über 65 festgelegt, da sie keine Informationen haben, wie viel Impfstoff sie bekommen.

Ich nehme an, dass durch Ausnahmezustand wahrscheinlich eine Verschlimmerung der Situation durch Reisen in der Golden Week eingeschränkt werden konnte, verbessern wird er die Lage in Japan aber vermutlich nicht. Wenn diese Politik fortgesetzt wird, die Impfungen weiter so schleppend laufen und die Olympischen Spiele tatsächlich stattfinden, sieht die Zukunft von Japan wohl eher düster aus. Auch der CEO von Rakuten, dem Betreiber der größten Internetbank und einem der größten Onlinemarktplätze Japans, ist kritisch gegenüber den Olympischen Spielen. Er bezeichnete sie in einem Interview mit CNN als Himmelfahrtskommando

 Was halten Sie vom neuen Ausnahmezustand? Finden Sie die Maßnahmen sinnvoll?

 

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